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   Edition Wandelweiser
Vertrieb: EWR 0502 CD
Burkhard Schlothauer: ChamberEvents

Zeitkratzer Ensemble: Jongah Yoon, Klavier; Jürg Frey, Bassklarinette; Antoine Beuger, Flöte; Burkhard Schlothauer, Klarinette; Craig Shepard, Posaune
(c) Edition Wandelweiser
Auf der CD finden sich Beispiele aus drei verschiedenen Werkgruppen, die ich seit einigen Jahren parallel verfolge. Die einzelnen Stimmen der jeweiligen Stücke sind sich strukturell ähnlich. Gemeinsam ist ihnen, dass jedes Instrument immer einen längeren Ton (bzw. Klang) gefolgt von einer Pause spielt.

55 similar events plus two drummers drumming (1999) besteht aus zwei unterschiedlichen Ereignisebenen. Die sieben Instrumentalstimmen sind ‚isophon’ und ‚gleichmaßig’ organisiert: die immer aus den selben sechs Tonhöhen bestehenden Klänge beginnen und enden gemeinsam, jeder Klang dauert etwa 8 und jede Pause etwa 4 Sekunden. Jedes dieser Klangereignisse ist anders instrumentiert. Die Töne wurden zufällig auf die Instrumente verteilt, teilweise kommen sie in einem Klang mehrmals vor, immer jedoch sind sie alle vorhanden. Im Kontext traditioneller kompositorischer Vorstellungen hätten wir es also 55mal mit dem gleichen Klang zu tun. Doch diese 55 Klangereignisse sind nicht gleich, denn sie unterscheiden sich maßgeblich in Klangfarbe, innerer Gewichtung der Töne und der Lage des Klanges im Raum. Durch Ähnlichkeit ereignet sich Verschiedenheit.

Parallel dazu spielen zwei Perkussionisten nach einem unabhängigen Zeitplan in unabhängigem Tempo Passagen aus two drummers drumming(1998). Zwei Ereignisebenen treffen aufeinander und Bezüge werden konstituiert.



Organisation

Die Organisation der einzelnen Dauern in den Stimmen der beiden anderen Stücke der CD ist von der Gleichmaßigkeit des ersten Stückes grundsätzlich verschieden. Die Länge des Tones und der Pause definieren sich hier nämlich sowohl aus der Tätigkeit und Physis des jeweiligen Spielers, wie auch aus der Physik des verwendeten Instruments und fügen sich nicht in eine periodische Konstruktion.

So verwendet die InterpretIn in aus atem (1994) Teile ihrer (individuellen) Atemluftmenge bzw. orientiert sich in ab tasten (1995) am unterschiedlich langen Abschwingvorgang der ausklingenden Klaviersaiten. Mindestens eine Saite klingt aus, die aktive Abdämpfung der anderen Saiten mit Hilfe der Steuerung der Klavierdämpfer durch Finger und Pedal ist sehr differenziert vorgegeben. Die Länge der auf den Ton folgenden Pause ist an der Dauer des vorhergehenden Tones orientiert. Beide Stücke gehören zu einer Reihe von Solostücken, die miteinander kombiniert werden können. Die Stücke bestehen jeweils aus 121 Tönen (‚abtasten’ aus 66 Klängen), die in beliebiger Reihenfolge ohne Wiederholung ausgeführt werden sollen. Die vorliegende Aufnahme events # 5 (3 Bassklarinetten, 2 Klaviere) ist eine Montage aus den bereits auf den CD?s EWR 9608 und veröffentlichten Stücken.

Es ist möglich die Klang-Pausefolgen als die extreme Vergrößerung einer musikalischen Linie zu verstehen und auf diese Weise betrachtet beruht ‚Events für 5 Instrumente’ auf linearem und somit polyphonem Denken, welches von harmonischer Intention befreit ist. Eine Abfolge von autarken Handlungen bzw. Tätigkeiten eines Spielers, bildet in jeder Stimme von den anderen Stimmen unabhängige Ereignisketten - diese begegnen sich zufällig in scheinbarer Gleichzeitigkeit, verschmelzen zu einer Schallwelle, bleiben dadurch nicht dieselben, finden neuen und unerwarteten Zusammenhang und werden vielleicht zu einem singulären Ereignis umgedeutet.



Bunkermusik

Bunkermusik (2003) wurde auf Einladung des Künstlers Christoph Nicolaus für eine Veranstaltungsreihe in einem Hochbunker des Münchner Stadtteils Sendling geschrieben, dort uraufgeführt und aufgenommen. Stets dieselben Tonhöhen a – d – gis werden von den drei Blasinstrumenten mikrotonal variiert. Es existieren 18 Teile von etwa 10 Minuten Dauer, in denen der Klang jeweils in anderer Oktavlage und Weite aber immer in derselben Schichtung verwendet wird. Jeder Ton ist einen vollen Atem lang, jede Pause ermöglicht ein zur Ruhe kommen. Mit der auf einen bestimmten Klangbereich gerichteten kompositorischen Intention und der linearen Unabhängigkeit der mikrotonal variierenden Stimmen verbindet organic microtonal polyphonia (2003/2005) die kompositorischen Prinzipien der beiden anderen Stücke. Eine Auswahl von jeweils auf fünf Minuten verkürzten Teilen von Bunkermusik wurde in zunehmender Verdichtung zu einer fünffachen Schichtung montiert – es sind bis zu 15 Stimmen zu hören. Durch die stetige Fluktuation der ‚asymetrischen Polyphonie’ entsteht ein ständiges aperiodisches Pendeln zwischen Konsonanz und Dissonanz, zwischen ‚Spannung’ und ‚Entspannung’. Ein ferner Nachklang eines alten harmonischen Prinzips in einem nichtintentionalen Kontext.

[ Burkhard Schlothauer ]

Verfügbarkeit: Auf Lager
Preis: 15.79 Euro
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