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Als ich an Streichquartett (1988) arbeitete, begegnete ich der Malerei von Agnes Martin. Ich sah klare Formen, die nicht durch Rhetorik und Figuration überwuchert wurden. Stattdessen gab es Sinnlichkeit, Ausstrahlung und Intensität, die den ganzen Raum erfassten. Es ist eine Art von Sichtbarkeit in ihrer Kunst, bei der ich eine Korrespondenz zur Hörbarkeit in meiner Musik empfand. Hörbarkeit: das ist der Augenblick, in dem die Schallwellen im Raum sind und die bewegte Luft den Körper berührt. Das Trommelfell ist die sensible Verbindung zwischen Außenwelt und Innenwelt, wir hören den Klang und die Komposition.
Über die Jahre ist mir immer klarer geworden, dass es anonymes Material nicht gibt - jedes Material hat eine Gestalt und sobald es im Raum und in der Zeit existiert, trägt es eine Handschrift in sich. Anonymes Material ist eher eine Vorstellung, die das Arbeiten an den Punkt bringt, wo die Konzentration auf das Wesentliche möglich wird und einem das Gefühl gibt, gleichsam bei null anfangen zu können.
[ Jürg Frey ]
